
Mit dieser Frage beschäftigte sich am 28. April 2006 die Tagung „Europäische Migrationsgespräche“, die von der gemeinnützigen Gesellschaft IQ Consult im Rahmen des Projektes Pro Qualifizierung veranstaltet wurde. An der Diskussion beteiligten sich unter anderem Vertreter der Europäischen Kommission, des DGB Bundesvorstands und des Bundesinstituts für Berufsbildung. Die Teilnehmer diskutierten, welche Strukturen auf nationaler und europäischer Ebene notwendig sind, um Transparenz bei der Anerkennung von beruflichen Qualifikationen zu schaffen.
„Vor dem Hintergrund, dass die Europäische Kommission das Jahr 2006 zum Jahr der Arbeitnehmermobilität erklärt hat, ist es wichtig bei der Anerkennung von Qualifikationen einen Zustand zu schaffen, der es Migrantinnen und Migranten leicht macht, in einem anderen Land beruflich Fuß zu fassen“, sagte Leo Monz, Koordinator des Projektes Pro Qualifizierung.
Die von der Kommission 2005 vorgelegte Richtlinie zur Regelung der Anerkennung von Berufsqualifikationen eröffnet EU-Bürgern drei Wege zu dieser Anerkennung: über so genannte Qualifikationsniveaus (Schule, Hochschule), die nach eventuellen Eignungstests anerkannt werden, über die Berufserfahrung, wenn ausreichende Lehr- und Praxiszeit nachgewiesen ist und über inhaltliche Kriterien, die beispielsweise medizinisches Personal, Apotheker und Architekten betreffen.
In jedem Fall soll eine vereinfachte Anerkennung von Qualifikationen es erleichtern, das Recht auf Freizügigkeit in der EU wahrzunehmen. Denn Mobilität wird von den Menschen in Europa als eine der wichtigsten Errungenschaften angesehen.
Laut einer Eurobarometer-Umfrage vom Herbst 2005 sind 53 Prozent der Europäer der Ansicht, das die Reise- und Arbeitsfreiheit innerhalb der EU für sie widerspiegelt, was Europa ausmacht. 46 Prozent der Befragten erachten Mobilität als etwas Positives. Laut der Europäischen Kommission gibt es innerhalb der EU jedoch nur eine geringe Mobilität. „Einer der Gründe liegt in der unzureichenden Anerkennung von Qualifikationen“, sagt Leo Monz. Die Arbeitnehmermobilität könnte sich erhöhen, wenn Migrantinnen und Migranten wüssten, dass sie am Arbeitsmarkt gleichberechtigt sind.
Die EQUAL-Entwicklungspartnerschaft Pro Qualifizierung will in Deutschland Modelle und Konzepte erarbeiten, die Menschen mit Migrationshintergrund einen gleichberechtigteren Zugang zum Arbeitsmarkt ermöglichen. Arbeitslosigkeit soll reduziert und drohender Arbeitsplatzverlust durch Qualifizierung verhindert werden. Pro Qualifizierung wird gefördert vom Bundesministerium für Wirtschaft und Soziales aus Mitteln des Europäischen Sozialfonds.
Berlin, 28. April 2006
Pressemitteilung vom 28.04.06 - pdf