Integration ist besser als ihr Ruf: Jahresgutachten des Sachverständigenrats für Integration und Migration

01.08.2010

Der Sachverständigenrat für Integration und Migration (SVR) stellte vor Kurzem sein erstes Jahresgutachten in Berlin der Öffentlichkeit vor. Dabei kommt der SVR, für einige überraschend, zu dem Ergebnis, dass die Integration in Deutschland bei Weitem besser als ihr Ruf sei. Besonders im europäischen Vergleich befindet sich die Integration weitgehend auf Erfolgskurs.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration August 2010" entnommen.

Klaus J. Bade, der Vorsitzende des SVR, zieht ein positives Fazit: „Integration in Deutschland ist, trotz einiger Problemzonen, gesellschaftlich und politisch ein Erfolgsfall. Sie ist im internationalen Vergleich viel besser als ihr Ruf im Land.

Auch die Politik ist in der Einwanderungsgesellschaft angekommen und hat Integration endlich als gesellschaftspolitisches Thema ersten Ranges akzeptiert.“ Doch neige die Politik bei ihrer Selbstinszenierung mitunter dazu, Ursache und Folgen zu verwechseln. Für das jahrzehntelange friedliche Zusammenwachsen der Einwanderungsgesellschaft sei die Politik jedenfalls wenig richtungweisend gewesen, vielmehr habe sie sich eher widerwillig der Entwicklung angepasst.

Anlass zu mehr Optimismus gibt auch der erstmals im Rahmen des SVR-Integrationsbarometers ermittelte Integrationsklimaindex (IKI): Er misst Erfahrungen und Erwartungen der mehr als 5.600 Befragten zu unterschiedlichen Bereichen der Integration, wie beispielsweise Arbeitsmarkt, Wohnen oder Bildung. Auf einer Skala von 0 (sehr schlecht) bis 4 (sehr gut) erreicht der IKI recht positive Werte. So kommt die Mehrheitsbevölkerung bei der Bewertung auf einen Mittelwert von 2,77 (2009) und die Zuwanderungsbevölkerung sogar auf 2,93. Bade sieht hier einen „pragmatischen Integrationsoptimismus“, gepaart mit einem „gegenseitigen Grundvertrauen“.

Weitere Kernbotschaften des Jahresgutachtens sind unter anderem die Feststellung, dass Deutschland heute weder Ein- noch Auswanderungsland ist, sondern ein demografisch schrumpfendes Migrationsland mit hoher transnationaler Mobilität. Besonders die Abwanderung und die schrumpfende Zuwanderung von Menschen im besten Erwerbsalter erhöhen den Druck auf die Sozialsysteme. Deshalb empfiehlt der SVR neben einer Bildungs- und Qualifikationsoffensive eine aktive Zuwanderungspolitik gepaart mit Maßnahmen, die Abwanderungswillige im Land hält. Die wichtigste Baustelle macht der SVR im Bildungsbereich aus, noch kann nämlich von Chancengleichheit zwischen Jugendlichen mit und ohne Mig rationshintergrund nicht die Rede sein. Hier sei eine Bildungs- und Qualifikationsoffensive vonnöten, die auch die nachhaltige Vererbung der sozialen Startnachteile einschränkt. „Bildungsinvestitionen sind nachhaltiger als Banksubventionen“, meint Bade. 

Das Jahresgutachten zum herunterladen:  Jahresgutachten des Sachverständigenrats für Integration und Migration

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