Schulsysteme in Einwanderungsgesellschaften: Vom Grünbuch bis zu den Empfehlungen des Ministerrats

01.05.2010

Die Staaten der Europäischen Union wollen sich künftig zielgerichteter darum bemühen, ihre Schulsysteme an die durch Zuwanderung bedingten Veränderungen in den Gesellschaften anzupassen.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Mai 2010" entnommen.

Dies ist das Ergebnis eines längeren Diskussionsprozesses, der mit der Tagung des Ministerrats am 26. November 2009 in Brüssel insofern endete, dass ein Sachstand festgestellt und Aufgabenstellungen formuliert wurde. Anders gesagt: Jetzt geht die Arbeit los.

Obwohl es sehr viele Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund gibt, die eine höchst erfolgreiche Schulkarriere vorweisen können, weisen sie insgesamt im Vergleich zu den Angehörigen der Mehrheitsgesellschaft schlechtere Bildungsabschlüsse auf – dies eine Ausgangsfeststellung des Ministerrats. Dabei wird auch die gesellschaftliche Bedeutung schulischer Bildung unterstrichen: „Wenn Kindern mit Migrationshintergrund eine bessere Chance auf Bildungserfolg geboten wird, kann das Marginalisierung, Ausschluss und Entfremdung verhindern.“

In dem Zusammenhang wird auch darauf verwiesen, dass in allen Ländern der EU eine Diskriminierung aufgrund der ethnischen Herkunft und einen sozialen Ausschluss gibt.

Hier müsse durch zielgerichtete Unterstützung angesetzt werden, etwa durch Bereitstellung zusätzlicher Mittel für Schulen in Wohngebieten mit einer benachteiligten Bevölkerung und Mentorenprogramme sowohl für die Schülerinnen und Schüler wie für deren Eltern.

Entscheidend für eine soziale und berufliche Integration ist aus Sicht des Ministerrats die Beherrschung der Verkehrssprache des Aufnahmelands. Deshalb sollten zum Beispiel Lehrer in die Lage versetzt werden, Kinder zu unterrichten deren Erstsprache nicht die Unterrichtssprache ist. Ansetzen sollte die sprachliche Bildung allerdings schon in der vorschulischen Erziehung. Gleichzeitig ist es aber auch wichtig, die Herkunftssprache zu pflegen. Dies sei zunächst einmal für die eigene Identität und das Selbstbewusstsein von großer Bedeutung. Daneben könne durch Mehrsprachigkeit die Chancen auf dem Arbeitsmarkt verbessert werden.

Da die Verantwortung für die Bildung bei den Mitgliedstaaten liegt, kann der Ministerrat natürlich keine Vorgaben machen. Da die Bedingungen in den Ländern aber sehr ähnlich sind, werden sie aufgefordert, bestimmte Schritte im Schulsystem zu gehen, um die Situation der Schülerinnen und Schüler mit Migrationshintergrund zu verbessern. Das reicht von Stärkung der Maßnahmen zur Antidiskriminierung über eine Ausbildung des pädagogischen Personals für einen Umgang mit sprachlicher und kultureller Vielfalt bis zu einer engeren Partnerschaft mit den Communities der Zuwanderer, um die Eltern besser informieren und unterstützen zu können. Über erfolgreiche Beispiele auf diesem Gebiet schließlich sollen sich die Mitgliedstaaten untereinander austauschen.

DemTreffen des Ministerrats ging eine Debatte voraus, die mit der Veröffentlichung des Grünbuchs „Migration und Mobilität: Chancen und Herausforderungen für die EU-Bildungssysteme“ im Juli 2008. Im Rahmen der öffentlichen Konsultation gingen insgesamt 101 Stellungnahmen bei der Kommission ein, wobei eine der häufigsten Forderungen war, die Verknüpfung sozialer Benachteiligung und geringen Bildungschancen zu durchbrechen.

Die Auswertung der Stellungnahmen fand auf einer Konferenz im Oktober 2009 in Brüssel statt.


Die Diskussion nachvollziehen lässt sich durch das Grünbuch (in deutscher Sprache):
"Grünbuch Migration & Mobilität: Chancen und Herausforderungen für die EU-Bildungssysteme"

Schlussforderungen der Konferenz in Brüssel (in englischer Sprache):
"migration und mobility - challenges and opportunities for EU education system - conference conclusions"

Die Schlussfolgerungen des Ministerrats (in englischer Sprache):
"Council conclusions on the education of children with a migrant background"

 

 

 

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