05 Quo Vadis Handwerk

12.02.2010

Seda Rass-Turgut, Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk (ZWH)

Seda Rass-Turgut arbeitet in der Zentralstelle für die Weiterbildung im Handwerk mit Sitz in Düsseldorf. Das ist eine bundesweit tätige Einrichtung, die von allen Handwerkskammern, regionalen Handwerkskammertagen und dem Zentralverband des deutschen Handwerks getragen wird. Zentrale Aufgabe ist die Förderung der beruflichen Qualifizierung im Handwerk.

Seda Rass-Turgut hat in den letzten Jahren verschiedene Projekte zur beruflichen Integration von Migrantinnen und Migranten im Handwerk durchgeführt. Eines davon ist eine Studie, die sie 2008 im Rahmen des Netzwerks IQ durchgeführt hat. Sie hat die Aktivitäten des Handwerks auf dem Feld Integration in Interviews herausgefiltert und zusammengestellt. Die Arbeit ist Grundlage des Integrationsatlasses des Handwerks, der Anfang 2009 veröffentlicht wurde.

Zum Einstieg erinnerte Seda Rass-Turgut an ein Zitat des Präsidenten des Zentralverbands des deutschen Handwerks, Otto Kentzler, das Anfang 2009 in den Medien die Runde machte: „Der Meister der Zukunft ist ein Türke.“ Ausgangspunkt war ein kleiner Artikel in der Bild-Zeitung, der überall zitiert wurde. Die Berichterstattung war durchweg positiv. Im Zentralverband des deutschen Handwerks waren alle überrascht. Und sie hatten das Gefühlt, dass die Medien froh waren, einmal etwas Positives zum Thema Integration berichten zu können.

Seda Rass-Turgut zum Hintergrund der Aussage: „Türke steht als Synonym für eine Person mit Migrationshintergrund, um zu verdeutlichen, dass es aufgrund des demographischen Wandels immer schwieriger sein wird, Angehörige der Mehrheitsgesellschaft für eine handwerkliche Ausbildung zu gewinnen. Also stellt die Gruppe der Migranten offensichtlich ein Potenzial zur Nachwuchssicherung im Handwerk dar.“ Das Werben um Jugendliche mit Migrationshintergrund liegt also auch im eigenen Interesse des Handwerks. Das komme hier – so Seda Rass-Turgut – mit dem sozialen Auftrag, den das Handwerk ausfüllt, zusammen.

Neu ist die Verbindung von Handwerk und Migration nicht. Hochqualifizierte Handwerkerinnen und Handwerker gehören seit Jahrhunderten zu den mobilsten Gruppen auf den europäischen Arbeitsmärkten, weil sie international gefragte Fachleute waren und sind. Und im Rahmen der Anwerbung ausländischer Arbeitskräfte seit den späten 1950er-Jahren kamen auch Handwerker nach Deutschland. Mittlerweile ist es so, dass in den meisten Gewerken des Handwerks die Präsenz von Menschen mit Migrationshintergrund alltägliche Normalität ist.Wie viele es sind, ist nicht bekannt, da nur Ausländerinnen und Ausländer statistisch erfasst werden und nicht Menschen mit Migrationshintergrund. Überhaupt würden – so Seda Rass-Turgut – nur wenige spezifische Statistiken geführt. Dies solle sich aber ändern.

Gleichwohl sind einige Trends und Entwicklungen erkennbar. So gibt es seit nunmehr 15 Jahren rückläufige Zahlen bei der Erstausbildung. Seit 1993 ist die Zahl der ausländischen Auszubildenden im Handwerk von fast 65.000 auf 23.000 im Jahr 2006 gesunken. Das bedeutet einen Rückgang von knapp 10 auf knapp 5 %. Das lässt sich aus Sicht von Seda Rass-Turgut nicht allein mit Einbürgerungen erklären und auch nicht nur mit dem zu beobachtenden Beschäftigungsrückgang im Handwerk. Seda Rass- Turgut: „Anscheinend stellt die Branche entweder nicht genügend Lehrstellen für diese Zielgruppe zur Verfügung oder diese Zielgruppe möchte keine Ausbildung in dieser Branche aufnehmen.“ Dass es in anderen Bereichen, vor allem in den öffentlichen Verwaltungen noch schlechter aussieht, sei kein Trost.

In den freien Berufen, so Seda Rass-Turgut, in Arztpraxen oder auch Anwaltskanzleien sind viele jungen Menschen mit Migrationshintergrund beschäftigt. Ganz offensichtlich verfügen sie mit ihrer Mehrsprachigkeit über eine Kompetenz, die nachgefragt wird. Das Bundesinstitut für berufliche Bildung (BIBB) hat in einer Studie untersucht, wie stark die Jugendlichen als Übersetzer eingesetzt werden. Das ist schon erheblich. Seda Rass-Turgut sieht das durchaus kritisch. Allerdings ist diese Tendenz auch in kundenorientierten Berufen des Handwerks sichtbar. Im Friseurhandwerk beträgt der Anteil von ausländischen Frauen 12,2 %, was ziemlich viel ist. Gleichzeitig hat das die positive Wirkung, dass inzwischen besonders türkische Frauen auch in Prüfungsausschüssen der Kammern sitzen und als Ausbilderinnen und Meisterinnen tätig sind.

Im Zusammenhang mit dem rückläufigen Trend in der Erstausbildung ist auffällig, dass das Berufswahlspektrum der jungen Migrantinnen und Migranten sehr eng ist. Seda Rass-Turgut verwies darauf, dass die jungen Frauen mit Migrationshintergrund meistens den Beruf der Friseurin oder Fachverkäuferin im Nahrungsmittelhandwerk oder Bürokauffrau ergreifen. Bei den männlichen Jugendlichen dominieren nach dem Kfz- Mechatroniker, der Maler und Lackierer und der Anlagenmechaniker für Sanitär, Heizung und Klimatechnik. Das zeige, dass nach wie vor Informationen über die Vielfalt der Berufe, die man erlernen kann, fehlen, obwohl sich das Angebot an Information und Aufklärung über die Berufevielfalt verbessert habe.

Angesichts der Tatsache, dass 40 % aller Jugendlichen mit ausländischer Staatsangehörigkeit ohne Ausbildung bleiben – bei 15 % der deutschen Jugendlichen – ist der Handlungsbedarf groß. Den Jugendlichen wie auch den Eltern müsse klargemacht werden, dass es ohne eine Qualifizierung in Deutschland künftig keine Arbeitsmöglichkeiten mehr gibt.

Gleichzeitig steht das Handwerk seit einigen Jahren zumindest in einigen Gewerken vor Nachwuchs- und Fachkräftemangel. Viele Ausbildungsstellen werden nicht besetzt. Seda Rass-Turgut zitierte den Hauptgeschäftsführer einer großen süddeutschen Kammer, der erklärt hat: Betriebe, die jetzt nicht ausbilden, haben in fünf Jahren keine Fachkräfte mehr. Daran wird deutlich, dass der Ernst der Lage durchaus erkannt wird. Die Betriebsinhaber müssen sich noch stärker um Nachwuchs, gerade auch unter Jugendlichen mit Migrationshintergrund, kümmern.

Dies ist auch aufgrund der multiethnischen Bevölkerungsstruktur in den Ballungsgebieten erforderlich. Es gebe einfach den Druck, sich auf diese Situation einzustellen und die Struktur unter den Beschäftigten abzubilden. Seda Rass- Turgut verwies darauf, dass da schon einiges geschehen ist. In Lehrgängen mancher Bildungsstätten des Handwerks ist eine große Zahl von Teilnehmern mit Migrationshintergrund Normalität. Und auch auf den Meisterfeiern treffe man viele Zuwanderer. In diesem Zusammenhang schilderte Seda Rass-Turgut eine interessante Beobachtung. In den ländlichen Regionen haben die Kammern das Gefühl, dass die Integration besser verlaufe. Ein Grund dafür könne sein, dass es keine Segregationserscheinungen gebe wie in Ballungsgebieten und die enge Einbindung in den Betrieb.

Es gebe so etwas wie die Integrationskraft des Handwerks – so Seda Rass-Turgut. Sie ist überzeugt, dass das Handwerk verhindert, dass Migrantinnen und Migranten gesellschaftlich abgedrängt werden. Sie selbst kommt aus Köln, wo sehr gut zu beobachten ist, dass 40 Jahre Arbeit bei Ford nicht zwangläufig bedeutet, dass zum Beispiel ein Zuwanderer aus der Türkei Deutsch gelernt hat, wenn am Band nebenan nur türkische Kollegen standen. Ihr Vater, der als Handwerker in einem Vier-Mann-Betrieb gearbeitet hat, war darauf angewiesen die Verkehrssprache zu lernen, um sich zu verständigen. Also hat er Kölsch gelernt. Das hat in einem gegenseitigen Austausch und Lernen funktioniert.

Eine Schlussfolgerung, die der Zentralverband des deutschen Handwerks aus der Situation, die Seda Rass-Turgut umrissen hat, ist die Lancierung einer groß angelegten Imagekampagne des Handwerks unter dem Titel „Das Handwerk – die Wirtschaftsmacht von nebenan“, die 2010 starten wird. Über immerhin fünf Jahre soll diese Werbeoffensive gezielt Jugendliche für das Handwerk gewinnen, und zwar deutsche und nichtdeutsche. Jugendliche mit Migrationshintergrund werden ganz gezielt angesprochen.

Allerdings müsse man aus Sicht von Seda Rass- Turgut auch einige kritische Dinge ansprechen, wenn es um die berufliche Integration von Migranten geht. Von den meisten Bildungsverantwortlichen im Handwerk werden Defizite im Gebrauch der deutschen Sprache und mangelnde schulische Leistungen kritisiert. Allerdings werden die vermeintlichen fehlenden Sprachkenntnisse nicht von allen Geschäftsführern bestätigt. Viele sagen, dass es bei der zweiten und dritten Generation im Vergleich zu ihren deutschen Altersgenossen keine Unterschiede gebe. Die sind genau so schlecht oder genau so gut. Gleichwohl dürften Sprachprobleme bei Neuzuwanderern oder bei den Aussiedlern, die noch nicht so lange im Land sind, nicht übersehen werden, obwohl auch hier große Fortschritte erkennbar sind.

Kritisiert wird auch, dass bei der dritten Generation das Engagement in Sachen Ausbildung und Integration im Gegensatz zur zweiten nachgelassen habe. Und durch fast alle Interviews, die Seda Rass-Turgut im Rahmen ihrer Studie gemacht hat, zog sich wie ein roter Faden der Vorwurf, dass die Hauptschulen die Jugendlichen nicht adäquat auf eine Ausbildung vorbereiten. Seda Rass-Turgut: „Natürlich ist es ein bekanntes Spiel zwischen Schulen und Wirtschaftsverbänden. Die schieben sich gegenseitig die Schuld zu. Aber interessant ist doch, dass die Hauptschulen das Nachwuchsreservoir des Handwerks sind. Und wenn hier über 50 % der Schülerinnen und Schüler einen Migrationshintergrund haben, müssen sich die Handwerker mit diesem Thema auseinandersetzen. Da passiert auch schon viel. Handwerker gehen in die Schulen, berichten über ihre Berufe, ihre Gewerke, zeigen auf, was man machen kann. Da bestehen schon viele Ansätze, die weiter und verstärkt verfolgt werden müssen.“

Zielgruppe können nicht nur die Jugendlichen sein. Auch die Eltern müssen angesprochen werden. Das wird in der Imagekampagne auch gezielt geschehen. Und es muss ein besserer Zugang zu den Migrantenorganisationen geschaffen werden. In den Programmen wie Equal oder Xenos, wo Migrantenorganisationen einbezogen waren, wurde die Erfahrung gemacht, dass die klassische deutsche Einladung zu einer Veranstaltung nicht ausreicht, um die Kommunikation zu intensivieren. Da müssen andere Kommunikationswege beschritten werden.

Wenn man Jugendliche mit Migrationshintergrund gewinnen will, muss auch die Frage Stigmatisierung thematisiert werden. Aus ihren Interviews hat Seda Rass-Turgut die Erfahrung gemacht, dass es Ethnisierungen gibt, aber differenziert. So haben ihr viele Geschäftsführer erklärt, sie hätten das Gefühl, dass die Zugewanderten keine homogene Gruppe bilden, sondern unterschiedlich sind. Entscheidend sei die Bildungsferne, das wichtigstes Merkmal. Vorbehalte gebe es gegenüber dem Islam. Für die meisten türkischen und arabischen Jugendlichen kann das ein Stigma bedeuten, mit dem sie im Arbeitsalltag umgehen müssen, was ihnen vielleicht nicht immer gelingt, aber nichts über ihre Integrationsfähigkeit aussagt.

Dass italienische Jugendliche auf dem Arbeits- und Ausbildungsmarkt ähnlich benachteiligt sind wie die türkeistämmigen Jugendlichen, wissen die meisten Geschäftsführer nicht. Italienische Jugendliche im Handwerk brechen sehr häufig ihre Ausbildungsverhältnisse ab. Da wird wenig darauf geachtet, woran das liegen könnte. Auch darin könne sich Stigmatisierung äußern.

Eine generelle interkulturelle Öffnung gibt es im Handwerk noch nicht, auch wenn an einigen Stellen etwas geschieht. Durch die Charta der Vielfalt und den nationalen Integrationsplan ist etwas mehr Druck entstanden zu handeln, was aber unten noch nicht ganz ankommt.

Zusammenfassend stellte Seda Rass-Turgut fest, dass die berufliche Integration im Handwerk eher pragmatisch verläuft. Sie verläuft nach der Leistungs- und Beschäftigungsfähigkeit der Person und nicht auf der Basis spezifischer Programme und Zielvorgaben. Es gibt jedoch auf der Geschäftsführerebene konkrete Ansätze, die politischen Zielsetzungen des Nationalen Integrationsplans oder der Charta der Vielfalt aufzugreifen und in die allgemeine Handwerkspolitik zu verankern. „Vor allem aber“, so Seda Rass-Turgut, „spielt das Thema perspektivisch vor dem Hintergrund des wachsenden Fachkräftemangels und des demografischen Wandels eine zunehmend bedeutende Rolle. Ein differenzierter Blick auf die gegenwärtige Situation offenbart die Handlungserfordernisse auf Seiten des Handwerks, aber auch auf Seiten der Migrantinnen und Migranten. Das Handwerk sollte seine positiven Bemühungen, mehr Migranten auch an die Organisation des Handwerks zu binden, verstärken. In den Innungen und in den Kreishandwerkerschaften sind noch zu wenig Menschen mit Migrationshintergrund.“

Wenn die angelaufenen Bemühungen fortgesetzt werden, kann aus Sicht von Seda Rass-Turgut eine klassische Win-Win Situation entstehen: „Das Handwerk kann seinem Fachkräftemangel durch die Rekrutierung von Personal begegnen, das zusätzlich interkulturelle Fähigkeiten mitbringt. Die Migrantinnen und Migranten erhalten zugleich die Chance, in einer Branche tätig zu sein, die relativ krisensicher ist und vielfältige Aufstiegschancen bietet.Wenn das gelingt, kann die Branche einen wichtigen Beitrag zu dem gesamtgesellschaftlichen Ziel Integration leisten.“

NACHFRAGEN UND DISKUSSION

Es gibt gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen mit Migrationshintergrund einen großen Anteil, der keine abgeschlossene Berufsausbildung hat. Davon ausgehend wollte ein Diskussionsteilnehmer wissen, ob es im Handwerk so etwas wie nachholende Erstausbildung für Menschen gibt, die 25 Jahre alt sind oder älter oder ob so etwas möglich wäre.

Eine Ausbildung für Ältere gibt es im Handwerk nicht. Und Seda Rass-Turgut kann sich aktuell auch nur schwer vorstellen, dass so etwas eingerichtet wird. Sie hat die Erfahrung gemacht, dass Betriebsinhaber am liebsten Jugendliche nehmen, die sie noch formen können. Da ist 18 schon fast zu alt. Gleichzeitig möchten sie aber auch höher qualifizierte Jugendliche, die auch mehrsprachig sind. Von daher verstärkt sich der Trend zur Einstellung von Realschülerinnen und -schülern. Allerdings sei all das – so Seda Rass- Turgut – ihr subjektiver Eindruck. Und es könne durchaus sein, dass es Ausnahmen gibt.

Über 25jährige – so eine Ergänzung – können eine Erstausbildung eher in überbetrieblichen Maßnahmen machen. Vielleicht könnte sich das Handwerk im Rahmen einer Art Verbundausbildung an solchen Maßnahmen beteiligen.

Anknüpfend daran verwies eine Teilnehmerin darauf, dass viele Migrantinnen und Migranten über eine Qualifikation verfügen, die hier nicht anerkannt wird. Ihre Frage zielte erstens darauf, ob es Kompetenzfeststellungsverfahren, zum Beispiel über die Kammern, gibt und zweitens, ob es Fortbildungen gibt, um fehlende Ausbildungsinhalte ausgleichen zu können.

Die Frage der Anerkennung im Ausland erworbener Qualifikationen ist ein Thema, das im Handwerk auf der Agenda weit oben steht. Das hat auch mit einem sich immer deutlicher werdenden Fachkräftemangel zu tun. Derzeit wird eine Datenbank angelegt, in der ausländische Abschlüsse erfasst sind und bewertet werden. Die Kammern sind nicht daran gebunden, entsprechend diesen Bewertungen zu handeln. Allerdings wird angestrebt, dass die Kammern möglichst einheitlich mit der Anerkennung umgehen. Dann sind auch Anpassungsqualifikationen leichter anzubieten. Bei diesemThema – so Seda Rass- Turgut – sei man aber noch am Anfang, aber es wird angepackt.

Wie offen sind Handwerksbetriebe dafür, dass Zuwanderer verstärkt auch als Inhaber im Handwerk tätig sein werden? – dies die Frage eines Teilnehmers mit Verweis auf die von Seda Rass- Turgut zitierte Aussage „Der Meister der Zukunft ist Türke“. Er habe die Erfahrung gemacht, dass gerade in Regionen mit einem geringen Anteil an Zuwanderern die Betriebe sich dem Thema interkulturelle Öffnung nicht unbedingt zuwenden wollen.

Seda Rass-Turgut hat diese Erfahrung nicht gemacht. In ländlichen Gebieten oder auch in Ostdeutschland, wo es eine niedrige Zuwandererrate gibt, habe sie eine große Offenheit für das Thema gefunden. Und auch das Echo auf die Aussage „Der Meister der Zukunft ist Türke“ ganz überwiegend sehr positiv. Das habe ihr auch die Beauftragte für Öffentlichkeitsarbeit des Zentralverbands des deutschen Handwerks bestätigt.

Eine andere Frage eines Telnehmers zielte auf die Imagekampagne, die Seda Rass-Turgut erwähnt hat. Auch wenn sie darüber noch nicht viel öffentlich sagen dürfe, würde ihn die Zielgruppe interessieren und welches Image das Handwerk transportieren möchte: „Wir sind seit hunderten von Jahren gut“ oder eher ein nach vorne gerichtetes Profil? Er habe den Eindruck, dass das Handwerk nach wie vor eine ziemlich geschlossene Gesellschaft sei, die nicht nur hinter dem Betriebstor funktioniere, sondern auch im Stadtteil oder am Stammtisch gepflegt werde und in die hineinzukommen eine gehörige Anpassungsleistung erfordere.

Zunächst einmal stellt sich das Handwerk – so Seda Rass-Turgut – natürlich positiv dar. Auf der Verbandsebene sieht es in der Tat so aus, dass die Vertreter deutsch, männlich und grauhaarig sind. Das ist in anderen Organisationen oft sehr ähnlich. Aber diese Verbandsvertreter haben erkannt, dass das Thema Migrantinnen und Migranten im Handwerk aktuell ist und gehandelt werden muss. So sollen Betriebsinhaber mit Migrationshintergrund verstärkt angesprochen werden, wenn es um Lehrlingswarte oder Obermeister geht. Das sind wichtige Positionen im Handwerk, die Migranten meist nicht bekannt sind, Deutschen übrigens auch nicht. Die Verbandsebene – so Seda Rass-Turgut – soll sich ändern und eher die Realität widerspiegeln, wie sie jetzt schon in den Betrieben aussieht.

Die Imagekampagne soll auch Gruppen ansprechen, die früher weniger im Blickpunkt standen, etwa junge Frauen und Migrantinnen und Migranten. Diese Ausrichtung belegt aus Sicht von Seda Rass-Turgut, dass es im Handwerk schon einen Aufbruch gebe, um die Zukunft zu meistern.

Zu der Zukunftsorientierung gehört auch ein Projekt, das präventiv Ausbildungsabbrüche vermeiden soll. Dieses Projekt im Rahmen von Xenos wurde im April 2009 gestartet. Jugendliche mit Migrationshintergrund werden dabei im ersten Ausbildungsjahr von Mentoren begleitet. Das Projekt ist zunächst auf die Regionen Stuttgart und Aachen beschränkt und von der Branche her auf das Metallhandwerk. Die Koordinierungsstelle ist bei der Zentralstelle für dieWeiterbildung im Handwerk angesiedelt, die auch interkulturelle Schulungen für Lehrlingsmeister, Obermeister oder auch Geschäftsführer von Kreishandwerkerschaften durchführt, um die Innungen für eine kulturelle Öffnung zu gewinnen. Die ist nicht regional begrenzt, sondern wird bundesweit angeboten.

Pro-Qualifizierung ist Bestandteil von www.migration-online.de
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