EMPFEHLUNGEN FÜR AKTIVITÄTEN 2010 - "WIR KÖNNEN MEHR"
09.03.2010
Aktivitäten (nicht nur) für die Woche der Weiterbildung
Barbara Siemes
Die Prämisse des „Lebenslangen Lernens“ wird immer schneller auf uns zukommen und immer prägender für unsere beruflichen Karrieren sein, so schnell ändern sich die Bedingungen in unserem vernetzten Zeitalter. Informationen von heute sind morgen schon welche von gestern.
Die folgenden Stichworte sollen dabei unterstützen, sich zu informieren, wie das Thema Weiterbildung bzw. die Woche der Weiterbildung in ihren beruflichen Kontext passt.
Wir möchten der Weiterbildung Tür und Tor öffnen, um sie aus dem Mauerblümchendasein herauszuholen. Das Ziel: Weiterbildung sollte „normal“ werden, Freude machen, mit beruflichen Perspektiven assoziiert werden und vor allem leichter zu erlangen sein.
BETRIEBE IN INDUSTRIE UND HANDWERK: WARUM IN DIE FERNE SCHWEIFEN, DENN DAS GUTE IST DOCH DA?
Zielgruppe
- Eigentümer von kleinen und mittleren Betrieben, z.B. Handwerksmeister
- Personalverantwortliche in größeren Industrieunternehmen
- Betriebsräte
- Menschen mit Migrationshintergrund
- Frauen
- Schichtarbeiter
Themen
- Potenzialanalyse bzw. Feststellung von (informellen) Kompetenzen
- Bildungs- und Qualifizierungsbedarfsanalyse (mittels Fragebögen/Interviews ermitteln, welche Weiterbildung möglich, erwünscht und für den Betrieb interessant bzw. notwendig ist)
- Deutsch am Arbeitsplatz bzw. bilinguale Qualifizierungsangebote
- Förderinstrumente wie der Bildungsscheck in NRW
- Externenprüfungen
- (Mehrsprachige!) Motivation von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern mit Migrationshintergrund
- Ausbildung von Interkulturellen Mittlern
- Abbau struktureller, innerbetriebliche Hemmnisse für die Teilnahme an Fortbildung
- Qualifizierung von Personalverantwortlichen
- Interkulturelle Trainings für alle Mitarbeiter
ÖFFENTLICHE VERWALTUNGEN UND BETRIEBE: BESTEHEN NICHT NUR AUS DEM AUSLÄNDERAMT ...
Zielgruppe
- Verwaltungsangestellte, die mit Menschen mit Migrationshintergrund zu tun haben
- Personalverantwortliche
- Personalräte
- Angestellte mit Migrationshintergrund, die weiterkommen möchten
- Polizeibeamte
Themen
- Interkulturalität als positives Leitbild – Vielfalt als Qualitätsmerkmal (öffentliche Verwaltungen als Spiegel der Gesellschaft)
- Service gegenüber einer kulturell vielfältigen Bevölkerung
- Informationen über Beschäftigungsmöglichkeiten im öffentlichen Dienst auch für Menschen ohne deutschen Pass
- Einstellungshemmnisse für Menschen mit Migrationshintergrund verringern
- Interne Informationen und Beratungen über Weiterbildung bzw. Trainings wie Interkulturelle Kompetenz
- Bereitstellung von Qualifizierungsangeboten für Beschäftigte mit Migrationshintergrund zur Stärkung ihrer beruflichen Stellung und zur Verbesserung ihrer Aufstiegschancen
- Stärkere Berücksichtigung von Migrantinnen und Migranten bei Einstellungs-/ Beförderungsverfahren
- Maßnahmen zur Verbesserung des Betriebsklimas (interkulturelle Trainings) innerhalb der Beschäftigtenstrukturen
- Integrationslotsen, Weiterbildungslotsen ausbilden
- Teilnahme an Schulungen (z.B. Führung von interkulturellen Teams)
- Verankerung derartiger Schulungen in den Fort- und Weiterbildungsplänen
ÖFFENTLICHE VERWALTUNGEN UND BETRIEBE: BESTEHEN NICHT NUR AUS DEM AUSLÄNDERAMT ...
Zielgruppe
- Arbeitsvermittlerinnen, Arbeitsvermittler und Fallmanager
- Abteilungsleiter in Arbeitsagenturen, ARGEn und Optionskommunen
- Personalleiter in Arbeitsagenturen, ARGEn und Optionskommunen
Themen
- Treffen im Netzwerk ARGEn: gezielte Fördermöglichkeiten als Thema
- Immer wieder ein Thema: Gezielte Maßnahmen für Menschen mit Migrationshintergrund – ja oder nein?
- Trainings der Mitarbeitenden/Beratenden in interkultureller Kompetenz
- Persönlicher Austausch mit Menschen mit Migrationshintergrund über ihre Erfahrungen in der Arbeitsvermittlung und ihre Bedürfnisse
- Möglichkeiten der Integrationsförderung über §16a SGB II
- Möglichkeiten der Integrationsförderung nach der Neuordnung der Instrumente im Jahr 2009
- Förderung von Migrantenbetrieben und Gründungen
- Akquise von Multiplikatoren beziehungsweise Unterstützern
- Personalwerbung für Menschen mit Migrationshintergrund, Einstellungen von Beraterinnen und Beratern mit Migrationshintergrund
- Informationsaustausch: zum Beispiel über Projekte wie Bilinguale Qualifizierungsmaßnahmen nach dem Beispiel in Aachen, die „Hotline Deutsch“ in Köln (Vermittelt passgenaue Sprachangebote), die Integrations-Scouts in Herne oder die Jobbörse Phoenix in Köln (richtet sich speziell an russischsprachige ALG II-Empfänger)
- Qualitative Verbesserung von Sprachkursen
- Mehr Angebote für berufsbezogenes Deutsch
- Mehr Transparenz im Maßnahmendschungel, mehr Informationen über Anwendungsmöglichkeiten
- Problem der hohen Fallzahlen der einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter
- Aufbau und Pflege von Förderdatenbanken: Schlagworte nach passenden Kontakten
MIGRANTENORGANISATIONEN UND MENSCHEN MIT MIGRATIONSHINTERGRUND: NICHT „BETROFFENE“, SONDERN AKTEURE!
Zielgruppe
- Migrantenorganisationen aller Schattierungen und Nationalitäten
- Ausländerbeiräte auf kommunaler, Landes- und Bundesebene
- Moscheevereine, Kirchen und kirchliche Institutionen
Themen
- Existenzgründung: Beratungsveranstaltungen in Migrantenorganisationen
- Kooperationsformen zwischen ARGEn und Migrantenorganisationen bzw. Informationsaustausch
- Interne Vermittlung von gesetzlichen Auflagen und Förderprogrammen, die vielen Migranten mit Sprachproblemen gar nicht bekannt sind
- Migrantenorganisationen als Interessenvertretung
- Aktive Ermittlung wichtiger potenzieller Partnerinstitutionen
- Entwicklung professioneller Beratungskompetenzen, die für ihre Klientel eine zielgenauere Orientierung auf dem Beratungs- und Fördermarkt ermöglicht Bewerbungscenter gründen) Migrantenorganisationen können sich als strategische und operative Partner von Fachberatungsdiensten, Bildungsdienstleistern, Arbeitsverwaltungen, Kammern, Gewerkschaften etc. im Rahmen kommunaler oder regionaler Vernetzungen anbieten
- Engagement als kompetente Fachberatung (z.B. bei der Entwicklung und Durchführung von Modellprojekten, Kooperationen bei der Akquise von Teilnehmenden, bei der Betreuung/Beratung vor und nach der Gründung)
- Ermutigung der Mitglieder, sich regional untereinander strukturierter zu vernetzen (eigene Stammtische)
- In den Vereinen für die Notwendigkeit professioneller Beratung und Qualifizierung und die entsprechenden Angebote sensibilisieren und werben
- Versuchen, in den Migrantenmedien diverse Formen der Berichterstattung zu platzieren
BILDUNGSTRÄGER: FLEXIBEL UND AUF SERVICE EINGESTELLT
Zielgruppe
- Alle Formen und Ausprägungen von Bildungsträgern
Themen
- (Alle möglichen Formen von) Kompetenzfeststellungsverfahren – sowohl für formelle wie auch informelle Kompetenzen
- Berufliche Sprachlehrgänge
- Bilinguale Weiterbildung
- Externenprüfungen
- Angebote zur Nachqualifizierung: Nachholen von Qualifizierungen für Berufe, in denen im Ausland erworbene Qualifikationen nicht anerkannt worden sind, Vorbereitung auf die Externenprüfung
- Hilfen und Vorbereitungen auf die Maßnahmen und Angebote der ARGEn, vor allem im SGB II-Bereich – hier auch evtl. in verschiedenen Sprachen!
- Konzepte für die Anerkennung informeller Kompetenzen
- Schulungsangebote in interkultureller Kompetenz – zudem angepasst auf die jeweiligen Bedürfnisse eines Unternehmens, Handwerksbetriebs oder öffentlicher Verwaltungen
- Jegliche Formen von Bildungsmotivation, zum Beispiel bilinguale Kurse oder Schnupperangebote von Berufsbildern
- Unterstützende Schulungsmaßnahmen für Existenzgründungen
- Trainings und Schulungen in interkultureller Kompetenz
- Trainings und Schulungen für interkulturelles Konfliktmanagement
- Anpassungslehrgänge an gesellschaftliche Entwicklungen
- Unterstützende Angebot für Trainings von Interkulturellen Mittlern in Betrieben, Bildungsbeauftragten in MSO, Lotsen in Kommunen oder Kontaktbeamten bei der Polizei
- Themen/Vorträge/Workshops rund um die Umsetzung des Nationalen Integ - rationsplans (NIP)
- Bildungsangebote in interkultureller Kompetenz für Führungskräfte
- Beteiligung an der Netzwerkarbeit innerhalb des Weiterbildungssystems
- Bilinguale Informationsangebote/Expertengespräche zum Beispiel mit und für Migranten in Bezug auf das SGB II
UND WENN SIE LUST HABEN ...
Mögliche Aktivitäten während der Woche der Weiterbildung 2010
- Tag der offenen Tür = Tag der Weiterbildung
- Beratungsangebote für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit Migrationshintergrund
- Infostände mit Materialien über Qualifizierungsangebote
- Weiterbildungsberater ins Haus holen/„Muttersprachler“ dazuholen
- „Schnupperkurse“ ermöglichen. Von bereits bekannten Qualifizierungsangeboten Beispiele für je eine halbe Stunde ermöglichen – Workshop-Charakter
- Beratungsveranstaltung/en im Betrieb
Themen: Was gibt es an Fortbildungen, für wen sind sie geeignet, wie fördert der Betrieb und was erwartet der Betrieb?
- Im Vorfeld ermitteln, welche Mitarbeitenden Qualifizierungsbedarf hätten und dann Probetrainings organisieren – darüber öffentlichkeitswirksam berichten
- Weiterbildungswettbewerb organisieren und Weiterbildungspreis stiften: Jedes Jahr bekommt ein/e Mitarbeiter/in einen Gewinn für eine besonders erfolgreich abgeschlossene, besonders schwierige, besonders seltene Weiterbildung. Preisauslobung und Preisverleihung in Zukunft jedes Jahr in der Woche der Weiterbildung
- Betriebsversammlung zum Thema Fort- und Weiterbildung: Was sagen die Mitarbeitenden, was wünschen sie sich, was möchte der Betrieb erreichen? Menschen einladen, die bereits erfolgreich durch Qualifizierung weitergekommen sind
- Unternehmer mit Migrationshintergrund stellen ihr Aus- und Weiterbildungsangebot vor
- Tag des NIP: Wie hat der Betrieb seine Selbstverpflichtung umgesetzt?
- Familientag: Spiel, Spaß und Informationen rund ums Thema Weiterbildung – an einem Samstag
- Fragebogenaktionen: Wer möchte gerne an Weiterbildung teilnehmen und warum?
- Beteiligung an Gemeinschaftsaktionen über Kammern, Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften
- Ausstellungen in den Betrieb holen: z.B. Mit Plakaten von Menschen (am besten aus dem jeweiligen Betrieb selbst), die von ihrer beruflichen Qualifizierung erzählen
- Eigene Ausstellung herstellen: Mitarbeitende sollen sich kreativ zum Thema Weiterbildung äußern bzw. ihre Berufswege darstellen (Fotos, Bilder)
- Plakate aufhängen: Good Practice (siehe unter Ausstellungen)
- Filmprojekt zum Thema organisieren: Vorführung in der Woche der Weiterbildung – dafür gibt’s einen Preis – Ziel: Infofilm herstellen, Migranten informieren sich und die anderen über die Möglichkeiten von Weiterbildung
- Eine Weiterbildungsmesse organisieren
WAS SIE NOCH TUN KÖNNTEN
Leiten Sie das Thema weiter!
- Verbände und Kammern, Gewerkschaften können ihre Mitglieder aufrufen, an Weiterbildung teilzunehmen und entsprechende Aktionen am Weiterbildungs- Tag zu machen
- Kommunen und Verantwortliche in den Ländern können dasselbe tun und ihre Einrichtungen und Betriebe aufrufen, teilzunehmen
- In der Kommune alle Arbeitsmarktakteure und Bildungsträger an einen Tisch bringen und einen Workshop/eine Tagung veranstalten zum Thema: wo drückt der Schuh? Ziel: Austausch, Vernetzung, Erstellung eines Aktionsplans
ZU GUTER LETZT UND IMMER WIEDER
Öffentlichkeitsarbeit!
- Schalten Sie die Medien ein, nutzen Sie Ihre Beziehungen
- Seien Sie erfinderisch: Sie müssen das Thema „schmackhaft“ machen
- Und als letzten Hinweis an alle: Machen Sie – und das betrifft alle – vor Ort Öffentlichkeitsarbeit, machen Sie auf Ihre Angebote und die Woche der Weiterbildung aufmerksam, werben Sie: Wir können mehr – mit Weiterbildung!
- Pressemitteilungen
- Handzettel
- Plakate anfordern
- Flyer anfordern
- Handbuch anfordern
- Die Koordinierungsstelle der Woche der Weiterbildung informieren und die eigenen Aktivitäten dokumentieren: dann können auch Sie beim nächsten Mal ins Handbuch zur Woche der Weiterbildung aufgenommen werden!