Migrationspolitik in Europa im Rahmen der Krise - Rahmenbedingungen und Herausforderungen: Michaela Dälken, Leiterin des Kompetenzzentrum Europa beim DGB Bildungswerk Bund

09.10.2009

Nach über einem Jahr weltweiter Wirtschafts- und Finanzkrise werden zwar immer wieder erste Zeichen einer Verbesserung heraufbeschworen, aber noch ist ein Ende der Krise nicht in Sicht. Obwohl uns nur wenige gesicherte Daten vorliegen, müssen wir feststellen, dass Migrantinnen und Migranten von der Krise am stärksten betroffen sind.

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Migration und Krise: Europäische Migrationsgespräche 2009 in Berlin" entnommen.

Während sie in vergangenen Zeiten wesentlich dazu beitrugen, den Aufschwung zu verstärken, dienen sie nun als Puffer, um den Abschwung abzufedern. Dabei trifft die Krise Migrantinnen und Migranten unterschiedlich hart: Je nach Land, in dem sie nun arbeiten, oder Branche, in denen sie beschäftigt sind. Die Krise ist, um es auf den Punkt zu bringen: jung, männlich und prekär beschäftigt.

Gezielt auf Einwanderung setzen

Um die Folgen der Krise für Migrantinnen und Migranten langfristig abzusichern, benötigen wir zukunftsgerichtete Strategien. Für Europa heißt nicht länger auf Abschottung, sondern auf gezielte Einwanderung zu setzen. Es muss klar sein: Die Krise erhöht auch den Migrationsdruck in weniger entwickelten Ländern. Wir benötigen verstärkt entwicklungspolitische Konzepte, um diesen Druck abzumildern. Dieser wird durch die derzeit zurückgehenden Rücküberweisungen noch verstärkt. Hier brauchen wir spürbare Erleichterungen für Migrantinnen und Migranten, wie beispielsweise Unterstützung zum oft undurchsichtigen Rücküberweisungsmarkt. Gleichzeitig müssen Konzepte unterstützt werden, die die Investition dieser Gelder in langfristige Projekte vor Ort fördern. Verstärkte Rückwanderungen sind vor diesem Hintergrund in Zukunft nicht zu erwarten, in vielen Ländern ist die Arbeitslosenquote gestiegen und die Meldung der freien Stellen von Unternehmen aus dem Ausland ist in einigen Bereichen um fast 30 Prozent zurückgegangen. Vor diesem Hintergrund werden auch Rückkehrförderungen nur bedingt greifen.

Fachpotenziale von Migrantinnen und Migranten nutzen

Trotz der Krise bleiben die demografischen Entwicklungen in Deutschland bestehen. In Zukunft werden immer mehr qualifizierte Fachkräfte benötigt. Wir können es uns heute weniger denn je leisten, vorhandene Potenziale, über die Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund verfügen, ungenutzt zu lassen. Dazu bedarf es einer zielgerichteten Qualifizierungsplanung, die auch die besonderen Anforderungen von Menschen mit Migrationshintergrund in den Blick nimmt. Phasen der Kurzarbeit sollten für die systematische und werthaltige Weiterbildung und Qualifizierung genutzt werden. Gleichzeitig benötigen wir ein verbessertes Anerkennungssystem von bereits vorhandenen Qualifikationen. Gleiche Chancen für Zuwanderer Wir sollten nicht vergessen: Trotz der Krise wird sich langfristig die demografische Entwicklung in Deutschland nicht ändern.

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„In Zukunft werden immer mehr Fachkräfte benötigt. Wir können es uns heute weniger denn je leisten, vorhandene Potenziale, über die Kolleginnen und Kollegen mit Migrationshintergrund verfügen, ungenutzt zu lassen. Dazu bedarf es einer zielgerichteten Qualifizierungsplanung…”
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Wir brauchen Zuwanderung und benötigen auf die Zukunft ausgerichtete Konzepte, um Integration zu fördern. Menschen mit Migrationshintergrund haben den Aufbau in Deutschland wesentlich mitgestaltet. Nun gilt es, Zuwanderern die gleichen Chancen einzuräumen wie allen hier lebenden Kolleginnen und Kollegen. Trotz vergleichbarer Bildungs- und Berufsabschlüsse finden sie schwerer einen Ausbildungs- oder Arbeitsplatz. Es gilt strukturelle Benachteiligungen zu verhindern, Maßnahmen der Fort- und Weiterbildung zu fördern und Partizipationsbemühungen zu verstärken.

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