Integration und Sport: Kommentar Ebru Shikh Ahmad, Integrationsbotschafterin des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB)

01.01.2010

Kommentar

Ebru Shikh Ahmad, Integrationsbotschafterin des Deutschen Olympischen Sportbunds (DOSB)

Dieser Beitrag wurde der Publikation "Forum Migration Januar 2010" entnommen.

Ebru Shikh Ahmad

Ich war bis zu meinem 15. Lebensjahr eine gute und begeisterte Schwimmerin. Meine Mutter hatte mich mehr oder weniger heimlich zum Training geschickt, da mein Vater es nicht erfahren sollte. Doch man konnte es natürlich nicht lange geheim halten, da ich erfolgreich war und an Wettkämpfe teilnehmen sollte.

Mein Vater war Hochschullehrer und immer für Bildung engagiert, aber er wollte nicht, wo ich unübersehbar zur Frau wurde, dass ich mit dem Badeanzug vor meinen Vereinskameraden, Trainern oder Kampfrichtern auftrete. Ich gab ihm zuliebe das Schwimmen auf. Es war mir sehr schwer gefallen und hat mich auch traurig gemacht. Es vergingen anderthalb Jahre, ich war unzufrieden, ich wollte mehr aus mich herausholen. Ich wollte etwas bewegen und nicht nur auf den monotonen Schulalltag beschränkt sein.

Ganz zufällig, beim Gespräch mit einer Freundin, erzählte sie, dass sie Karate trainiere. Das war die rettende Idee. Karate: Lange Jacke und lange Hose, der Körper war bedeckt. Ich hatte meinen Vater auch damit überzeugt, dass ich mich auch gegen Männer verteidigen könnte.

Es fing an mit Spaß und wurde ernst. Ich holte eine Vielzahl von Titeln, darunter auch drei mal den Europameistertitel.
Da Sport für mich immer ein Weg zur Integration war, habe ich mich entsprechend engagiert. Mein Mann Ismael und ich betreiben seit 12 Jahre eine Karateschule, und versuchen als Vorbilder zu wirken. Das Verhältnis Mädchen – Jungen ist fifty-fifty. Das ist eine große Chance, Mädchen mit und ohne Migrationshintergrund für Sport zu begeistern und zu motivieren.

Beim 1. Integrationsgipfel wurde ich von Dr. Thomas Bach, dem Präsidenten des Deutschen Olympischen Sportbundes, zur Integrationsbotschafterin ernannt. Das eröffnete mir natürlich weitere Möglichkeiten. Ich gehe bundesweit in Schulen und Kindergärten, gebe dort Schnupperkurse, was natürlich auch viel pädagogische Arbeit erfordert. Ich nehme Kontakt mit den Eltern vor Ort auf, nutze Pressetermine und so weiter.

Das bringt Verantwortung mit sich. Es kommen immer wieder Mädchen mit Migrationshintergrund zu mir und sagen, dass ich mit ihren Eltern reden soll. Die Eltern müssen aufgeklärt werden, dass das Training für die Kinder viel Tore öffnet. Und den Eltern muss klar gemacht werden, dass ihre Kinder in den Sportvereinen gut aufgehoben sind. Das heißt man sollte Kontakt mit den Erziehungsberechtigten knüpfen und behutsam Vertrauen aufbauen.

Die sportliche Erziehung hat sehr viele Vorteile. Man lernt Disziplin: Wenn man ein Ziel vor Augen hat, muss man daran arbeiten. Das hilft auch in der Schule, Ausbildung, im Studium oder am Arbeitsplatz. Und im Sport sind alle gleich. Man lernt Toleranz gegenüber anderen Nationalitäten, Glaubensrichtungen, Hautfarbe. Man lernt Fairness, Niederlagen zu verarbeiten und Teamgeist, dass man nicht alleine auf dieser Welt ist und anderen auch Gutes gönnen sollte.

Wir leben auf dieser Erde und wir hatten alle den gleichen Anfang und werden das gleiche Ende haben. Wir sollten versuchen, so gut wie möglich miteinander auszukommen, zu leben und leben zu lassen, das zuerst in der Umgebung, wo wir uns befinden.

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