Porträt Ali Dogan: Kompetenzen beim Namen nennen

06.12.2007

Wenn abends oder am Wochenende Freunde und Verwandte ihre Freizeit genießen, sitzt Ali Dogan ehrenamtlich mit seinen Bekannten aus der Aleviten Gemeinde Bünde zusammen und berät sie in Bezug auf ihre berufliche Zukunft. Er ist „Bildungsberater“ – das ist das Zauberwort, womit Ali seinen Mitmenschen helfen kann. Aber der Reihe nach.

Porträt Dogan Ali Dogan

Erwachsenen- und Jugendbildung gehören in der Aleviten Gemeinde Bünde und Umgebung e.V. zu den Topthemen, zu denen den 180 Vereinsmitgliedern und ihren Familien Angebote gemacht werden. Auch das von der Mozaik gGmbH im Rahmen der Initiative Pro Qualifizierung eingerichtete Beratungscenter, das von Ali Dogan abends und an den Wochenenden betreut wird, findet regen Zuspruch. Ali Dogan hatte 2006 die Aufgabe des Bildungsbeauftragten für Pro Qualifizierung übernommen und wurde zu den Themen Kompetenzfeststellung, Bewerbung und Öffentlichkeitsarbeit geschult, um seine Kenntnisse im Verein einbringen zu können. Seitdem ist seine Beratung zu beruflicher Weiterbildung im Verein professioneller geworden.

„Die Beratungscenter haben auf jeden Fall einen Nerv getroffen – sie sind optimal. Denn sie holen Migranten, die Rat suchen, dort ab, wo sie stehen. Hier im Verein können wir auf ihre spezifischen Bedürfnisse eingehen, das Umfeld ist familiär und die Beratung findet dann statt, wenn sie auch Zeit haben. Bei der Arbeitsagentur fühlen sich viele nur als Kunde mit einer Nummer und nicht wirklich als Individuum verstanden und behandelt. Hier kennen wir uns gut und können uns unbefangen für eine Bewerbung zusammensetzen“, berichtet er.
Allein in den letzten Monaten hat der junge Jurist drei Menschen aus seinem Verein dabei geholfen, eine Anstellung zu bekommen. „Die Kompetenzen sind ja vorhanden, nur manchmal fällt es den Leuten schwer, sie beim Vorstellungsgespräch beim Namen zu nennen“, erläutert er.

Was der junge Deutsche mit kurdischem Migrationshintergrund selbst nach Beendigung seines Referendariats und nach seinem 2. Staatsexamen in 2009 machen möchte, weiß er schon jetzt recht genau: Er möchte sich als Fachanwalt für Versicherungsrecht selbständig machen. Sein schulischer und beruflicher Weg sind bis jetzt sehr geradlinig verlaufen, doch Hürden musste er schon überwinden. Beispielsweise beim Übergang von der Grundschule ins Gymnasium: Alis Klassenlehrerin in der Grundschule hatte ihm keine Empfehlung für das Gymnasium gegeben. Er sollte erst einmal auf die Realschule gehen, obwohl er Klassenbester war. Dagegen wehrte sich der 7 Jahre ältere Bruder sofort und drohte, notfalls vor Gericht eine Empfehlung zu erwirken. Er selbst hatte schon denselben Umweg machen müssen. Der Bruder holte sein Abitur erst Jahre später nach. Ali blieb dies erspart.

„Diskriminierungen solcher Art sehen sich Migrantinnen und Migranten bis heute gegenüber. Deshalb engagiere ich mich auch nicht nur in meinem Verein, um dort die Themen Jugend- und Erwachsenenbildung voran zu bringen, sondern bin auch auf kommunalpolitischer Ebene aktiv für die SPD tätig. Ich möchte mein Ehrenamt im Verein mit der politischen Ebene verknüpfen und unsere Einsichten dort einbringen“, erzählt der 25-Jährige. Von 44 Ratsmitgliedern in Bünde hat nur ein einziger einen Migrationshintergrund. Dabei liegt die Quote der Menschen mit Migrationshintergrund dort bei über 20 %. „Also sollten doch auch mindestens drei oder vier Migrantinnen und Migranten dort vertreten sein. Dafür setze ich mich in den Kommunalwahlen 2009 unter anderem ein“, erklärt der Jurist.

In der SPD in Bünde wird derzeit überlegt, einen migrationspolitischen Sprecher einzusetzen. Ali Dogan könnte für diesen Posten in Frage kommen. „Ich bin zwar nicht der Meinung, dass Migranten nur Themen wie Migration und Integration machen sollten, aber mein Steckenpferd ist die Integrationspolitik schon“, gibt er zu. Ali Dogan ist seit einem Jahr deutscher Staatsbürger, um sich komplett und mit allen Rechten in der Politik einbringen zu können. „Auch ich mit meinen kurdischen Wurzeln, der ich in Deutschland aufgewachsen bin, habe durchaus eine deutsche Kultur. Die Kultur ist nicht allein im Pass festgelegt. Döner zum Beispiel ist in Deutschland nicht mehr nur türkisch. Döner ist jetzt auch deutsch. Die Kultur setzt sich aus Mosaiken zusammen. Das versuche ich in meiner Arbeit als Jurist, im Verein und in der Politik zu vermitteln“, erklärt er.

Der junge 25-jährige bedauert sehr, dass er das Beratungscenter in Zukunft nicht mehr anbieten kann. Die Nachfrage im Verein war sehr hoch, aber diese individuelle Beratung ist auch sehr zeitaufwändig. Mit dem Vereinsvorsitz und dem Rechtsreferendariat am Landgericht Detmold kann er diese zusätzliche Aufgabe kaum noch unter einen Hut bringen. „Dabei hat das Beratungscenter so gut funktioniert und wurde hier im Verein sehr gut angenommen“ erzählt er.
So ist er nun auf der Suche nach jungen Leuten im Verein, die Lust und Zeit haben, das Beratungscenter weiter zu betreuen und diese wichtige Arbeit fortzusetzen.

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